Ein Garten offenbart sich
Zutreffender hätte der Buchtitel nicht sein können, denn der Autorin gelingt es, mit ihren überzeugenden Ausführungen der Leserschaft eine neue Sichtweise des sie umgebenden lebendigen Ganzen zu vermitteln. 1996 ist Katrin de Vries mit ihrem Mann
und zwei Söhnen von Berlin ins Rheiderland in ein Backsteinhaus gezogen, dessen Garten (und seine Kultivierung) in ihr einen unerwarteten Lernprozess ausgelöst hat. Schwerpunkt heutiger Gartenarbeit ist nicht selten der Rasen, und genau daran entzündet sich eine, auch vieles andere auslösende, Erkenntnis: "Durch Rasen erfahren wir keine Natur, sondern nur lästige Arbeit." Beeinflusst von ihren Söhnen entwickelt Katrin de Vries auch ein anderes Verständnis vom Boden, vom Anpflanzen, von der Wertschätzung vieler Pflanzenarten und macht damit ganz neue Gartenerfahrungen, in denen sie sich als kleiner Teil der Komplexität von Natur begreifen lernt. Mit diesem ungemein klugen Plädoyer wirbt sie für ein Umdenken, in dem die Wahrnehmung des Gartengeschehens ohne Erwartungshaltung den Blick ungemein bereichernd weiten kann. Deshalb ist dieser Buchtitel mit seinen sinnstiftenden Gedanken und Schlussfolgerungen als Erkenntnisschatz wertvoller als so manche Ratgeberliteratur und für jede Gartenbuchabteilung (!) - auch in Romanversion - absolut unverzichtbar. Ein großartiges Lesevergnügen, das vielleicht einen neuen Umgang mit der Wirklichkeit des eigenen Grüns zur Folge hat: Für eine Garten- und Lebenswelt, die mit der Natur lebt.
Elisabeth Burgis
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein Garten offenbart sich
Katrin de Vries
dtv (2024)
237 Seiten
fest geb.