Die geheime Natur der irdischen Dinge
Olivia Byrne leidet an einer Art Selbsthass, seit ihr Vater Edward vor zwanzig Jahren verschwunden ist. Edward war Maler, sein Motiv ein immer wiederholtes Stillleben. Auch von ihrer Mutter hat sie sich seitdem entfremdet. Deren künstlerischer Ausdruck
sind Installationen in der Frauenpsychiatrie. Olivia selbst ist Schauspielerin. Sie spielt gerade ein Wolfsmädchen aus dem 18. Jahrhundert, das sich, allein im Wald, von Wurzeln und rohem Fleisch ernährt. Olivia fühlt sich in einer ähnlichen Situation, seit ihr Vater verschwunden ist und sie keine Nähe mehr zur Mutter hat. – In der Mitte des Romans schwenkt der Fokus auf Edward Byrne. Eines Tages hat er sich versehentlich ausgesperrt – und ließ sich treiben, durch Manchester, in dessen Außenbezirke, bis zu einem entlegenen Hotel. Er verrichtet dort Hilfsarbeiten, lernt Migranten im Pub kennen, zieht mit ihnen weiter von Job zu Job. – Im Epilog gibt Patricio Pron Hinweise auf Autoren, die ihn inspiriert haben, auf Romane, deren Figuren ebenfalls verschwinden, wie bei Virginia Woolf oder Nathaniel Hawthorne. Sein Roman verweigert eine Identifikation mit den Figuren und bleibt bewusst unverständlich.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Die geheime Natur der irdischen Dinge
Patricio Pron ; aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz
dtv (2025)
284 Seiten
fest geb.