Das Buch der verlorenen Stunden

Während der Reichspogromnacht von 1938 wird Lisavet Levy von ihrem Vater, einem Nürnberger Uhrmacher, vor den Nazis in einer magischen Bibliothek versteckt, in der alle menschlichen Erinnerungen aufbewahrt werden. In der „Zeitraum“ genannten Das Buch der verlorenen Stunden Bibliothek sind die physikalischen Gesetze von Zeit und Raum aufgehoben – nicht aber die Interessen der Weltmächte an der Instrumentalisierung der Erinnerungen und der Kontrolle über das kollektive Gedächtnis: „Staatliche Stellen möchten gern steuern, woran sich im Zeitraum erinnert wird. Mitunter zerstören sie dabei Dinge, die sie für gefährlich halten. Sie verbrennen Erinnerungen.“ Zu den „Zeithütern“, die ausgewählte Erinnerungsbände aus den Regalen der magischen Bibliothek zu vernichten haben, gehört auch der CIA-Agent Ernest, der sich in Lisavet verliebt. Dass sie in den 1960er Jahren selbst zur US-amerikanischen Geheimdienstagentin wird, verschränkt den eher märchenhaften Fantasy-Plot mit den Fragen nach der Durchsetzung offizieller Geschichtsnarrative und der ideologisch motivierten Manipulation der Erinnerungspolitik. Hier gewinnt der Text an Aktualität und lässt deutliche Bezüge zwischen den Zeiten des Kalten Krieges und der heutigen Systemrivalität zwischen den USA, Russland und China erkennen, Spionage, Zensur und Produktion alternativer (historischer) Fakten inklusive. – In ihrem Debüt setzt Hayley Gelfuso auf einen gelungenen Genre-Mix aus Fantasy, historischem Roman, Spionagethriller und einer dramatischen Liebesgeschichte. So wird auch ein breites Spektrum an Lesenden angesprochen.

Slávka Rude-Porubská

Slávka Rude-Porubská

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Buch der verlorenen Stunden

Das Buch der verlorenen Stunden

Hayley Gelfuso ; aus dem amerikanischen Englisch von Christine Blum und [einem weiteren]
dtv (2025)

479 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 623461
ISBN 978-3-423-28496-7
9783423284967
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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