The artist
In der Provence 1920: Der junge englische Journalist Joseph Adelaide erhält den Auftrag, den berühmten, aber rätselhaften Maler Édouard Tartuffe für eine Kunstzeitschrift zu porträtieren. Der Künstler lebt zurückgezogen auf einem abgelegenen
Anwesen und hat sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Als Joseph dort eintrifft, erwartet er Einblicke in das Leben eines gefeierten Genies. Stattdessen stößt er auf eine Welt voller Geheimnisse, Spannungen und unausgesprochener Abhängigkeiten. Ettie, die junge Nichte des Malers, die auf dem Anwesen lebt und eine zentrale Rolle im Alltag ihres Onkels spielt, indem sie als Haushälterin ihm den Rücken freihält und auf ihr eigenes Leben verzichtet, fasziniert ihn. Kann sie aus dem Schatten ihres dominierenden Onkels heraustreten? – Die Autorin Lucy Steeds erzählt in diesem Künstlerroman eine vielschichtige Geschichte über Kunst, Macht und Freiheit in sinnlicher, bildhafter Sprache. Dabei erzählt sie einmal aus der Sicht Josephs und einmal aus der Etties, streut Episoden aus der Vergangenheit der Protagonisten ein und entfaltet immer mehr interessante Facetten, die die Persönlichkeiten im Kampf um Selbstbestimmung und künstlerische Entfaltung hervorheben. Es handelt sich um einen atmosphärischen Debütroman, der ohne große Aktion auskommt, mehr auf sinnliche Sprache, Stimmung und Psychologie Wert legt. Allen Lesern:innen, die ruhige Dramaturgie mögen und einen gut recherchierten Roman bevorzugen, sehr empfohlen.
Elisabeth Kemper
rezensiert für den Borromäusverein.
The artist
Lucy Steeds ; aus dem Englischen von Hella Reese
dtv (2026)
379 Seiten
fest geb.