Ein Königreich für eine Schnecke
Jewa fährt mit einem Forschungslabor durch die Ukraine, sammelt vom Aussterben bedrohte Schnecken und wehrt die pausenlosen Versuche ihrer Mutter ab, sie zum Heiraten und Kinderkriegen zu überreden. Nastja und ihre Schwester Sol vermissen ihre Mutter,
die als international tätige Aktivistin gegen den Frauenhandel protestiert. Die drei Frauen lernen sich ausgerechnet bei dem ukrainischen Ableger einer amerikanischen Vermittlungsagentur für ukrainische „Katalogbräute“ kennen. Nur mit dem den meist nordamerikanischen Junggesellen vorgegaukelten Heiratsinteresse verdienen sie ihren Lebensunterhalt. Jewa verliert die Suche nach einem zweiten Exemplar ihrer Lieblingsschnecke nicht aus dem Blick und die Schwestern wollen durch eine spektakuläre Aktion die Aufmerksamkeit ihrer Mutter gewinnen. Sie verständigen sich auf die Entführung von 13 Junggesellen in Jewas Wagen, die in dieses besondere Outdoorunternehmen besondere Hoffnung setzen. Während sie losfahren, überfällt Russland die Ukraine und alles sortiert sich neu. Im Zentrum stehen nun eher die Suche nach der Schnecke und die Versuche, den Großvater der Agenturbetreiberin zur Ausreise von seiner Datscha nahe Cherson zu bewegen. Doch dieser lebt die symbolischen Fähigkeiten aller Schnecken: Geduld, Ausdauer und Schutz im eigenen Haus. – Maria Rewa, in der Ukraine geboren, in Kanada lebend, verarbeitet in ihrem ersten Roman erkennbar autobiografische Fakten, vor allem jedoch die Hoffnung auf ein Weiterleben der Ukraine. In dem vierteiligen, in 55 Kapitel unterteilten Text, meldet sich die Autorin immer wieder mit eigenen Erfahrungen als Icherzählerin zu Wort, was dem im Original 2025 erschienenen Roman besondere Authentizität verleiht. Für größere Bestände.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein Königreich für eine Schnecke
Maria Reva ; aus dem Englischen von Stephan Kleiner
dtv (2026)
479 Seiten
fest geb.