Lissabon 1941
Portugals Diktator Antonio Salazar bewegte sich während des Zweiten Weltkriegs – ähnlich wie Spanien – auf einem schmalen Grat der Neutralität. Nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht stellte der portugiesische Generalkonsul in Bordeaux
– entgegen der Weisung seiner Regierung – zahllose Visa aus, die den Weg für die Verfolgten nach Portugal freimachten. So wurde Lissabon zu einem rettenden Hafen, von dem aus Emigranten es noch nach Übersee schaffen konnten. In Lissabon warteten Hannah Arendt, Otto von Habsburg, Lion Feuchtwanger und viele andere auf ihre Schiffspassage in die Freiheit. Gleichzeitig war die Stadt ein Tummelplatz für Agenten beider Seiten, der Alliierten und der Nazis, die sich bei gesellschaftlichen Anlässen und im Nachtleben trafen. Die portugiesische Geheimpolizei wachte über das gefährliche Treiben. Smoltczyk erzählt von diesen bewegten Zeiten in einer Art Tag-für-Tag-Protokoll ganz nah an den Quellen entlang. Wer Uwe Wittstocks „Marseille 1940“ (BP/mp 24/491) kennt, kann dieses Buch fast als Fortsetzung lesen, viele Protagonisten trifft man wieder. Ein schön gestalteter Vorsatz und Schwarzweiß-Abbildungen ergänzen das spannende Buch über einen fast vergessenen Aspekt der Zeitgeschichte. Empfehlenswert!
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Lissabon 1941
Alexander Smoltczyk ; mit Fotografien von Maurice Weiss
dtv (2026)
382 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.