Abschiedssommer
Der Vollwaise Gustav Haase, dessen Vater als Soldat im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront gefallen und dessen Mutter bei einem Bombenangriff in Hamburg ums Leben gekommen ist, wächst bei Flensburg wohlbehütet und geborgen in einem Hebammen-Haushalt
auf und verbringt nun als 14-Jähriger 1959 seine Ferien auf einem Campingplatz an der Geltinger Bucht. Musik – vor allem Rock ‘n‘ Roll – und seine erste Liebe zu Johanna gehören dazu. Die ältere Kriegsgeneration verdrängt am liebsten die Schrecken der NS-Zeit, aber auch die eigene Schuld und Flucht, Vertreibung aus dem Osten und leidet unter Heimatverlust. Gustav verliebt sich in Johanna, es kommt aber zu einer Eifersuchtsszene mit Ohrfeige – am Ferienende trennen sich wieder ihre Wege. Das Buch schildert viele Details des dörflichen Lebens, von Landschaften, Rückblenden in die Zeit des Dritten Reiches am Beispiel namhafter NS-Größen, aber auch von einer Schildkröte auf dem Campingplatz, auf deren Panzer ein Hakenkreuz eingeritzt wurde. Die Alten erinnern sich an die verlorene Heimat mit schönen Liedern wie „Wer hat die schönsten Schäfchen“ (Hoffmann von Fallersleben). Auf der anderen Seite dominiert das unbeschwerte Lebensgefühl der Jugend in den späten 50er-Jahren. Jochen Missfeldt fügten seinen Romanen um Solsbüll (s. "Solsbüll", BP/mp 17/966) einen weiteren hinzu und verbindet geschickt Geschichte mit Landschaftsschilderungen und Schilderungen von Glück und Leid von jungen und alten Menschen.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Abschiedssommer
Jochen Missfeldt
dtv (2026)
238 Seiten
fest geb.