Das Spiel der Nachtigall
Tanja Kinkel setzt mit diesem Roman einem der bedeutendsten Minnesängern des Mittelalters ein Denkmal: Walther von der Vogelweide. Ende des 12. Jh. Zieht er durch die Lande und singt, angewiesen auf die Spesen der Mächtigen, an allen Höfen des Hl.
Römischen Reiches. Er versteht es, sich über die aktuellen Geschehnisse auf dem Laufenden zu halten und leistet seinem jeweiligen Gönner durchaus auch Spitzeldienste. Mit seiner spitzen Zunge verunglimpft er weltliche wie geistliche Herren, kann sich aber immer wieder mit Worten aus der Schlinge ziehen, wenn er es in ihren Augen zu toll getrieben hat. Von Walthers Leben ist kaum etwas bekannt, nur seine Lieder sind bis heute überliefert. Tanja Kinkel schreibt ihm deshalb eine fiktive Liebesgeschichte zu einer jüdischen Ärztin auf den Leib. Gekonnt verdichtet sie historisches Material und diese fiktive Liebesgeschichte zu einem lesenswerten und spannenden Roman. Das 12. Jh. mit seiner Dauerfehde zwischen Staufern und Welfen um die Kaiserkrone wird durch die stimmig gezeichneten Figuren lebendig, die zitierten Lieder Walthers runden den griffig geschmiedeten, keinesfalls zu weit gefassten Plot ab. Empfehlenswert für alle Freunde historischer Romane.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Spiel der Nachtigall
Tanja Kinkel
Droemer (2011)
924 S.
fest geb.