Der Geiger
Nach einem Konzert in Moskau wird der begnadete Geiger Ilja Grenko vom KGB verhaftet. Er wird beschuldigt, mit seiner Familie die Flucht ins Ausland geplant zu haben. Er wird gefoltert und unterschreibt letztlich ein Geständnis, nachdem man ihm verspricht,
seine Frau Galina mit den beiden Kindern unbehelligt zu lassen. Grenko wird ins Straflager gebracht und kommt dort nach einiger Zeit um. Galina wird mit den Kindern für 10 Jahre nach Karaganda verbannt; sie vermag sich unter äußerst üblen Bedingungen zu behaupten. Grenkow hatte bei seiner Verhaftung seine wertvolle Geige, eine Stradivari, bei sich und es ist unklar, wo das Instrument verblieben ist. Galina versucht nun nach Ablauf ihrer Verbannung zu klären, was damals wirklich geschehen und wo die Stradivari ist. Aber weder sie noch ihre unterdessen erwachsenen Söhne, von denen einer nach Deutschland übersiedeln konnte, vermögen die Hintergründe zu erforschen. Erst dem Enkel Ossip gelingt es, nach diversen Gewaltakten zu klären, was damals wirklich geschah. Da ist aber Ossips Schwester schon ermordet und es gibt eine Reihe weiterer Opfer ... - Aus solch einer Geschichte hätten viele andere Autoren wohl eine ausufernde Erzählung gestaltet. Diese Autorin hat das nicht nötig; sie erzählt prägnant, kurz, präzise und pointiert; alle Protagonisten sind klar gezeichnet. Die sehr beeindruckende Geschichte mit dem politischen und geschichtlichen Hintergrund geht unter die Haut. Das fesselnde, spannende Buch ist für alle Büchereien bestens geeignet.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Geiger
Mechtild Borrmann
Droemer (2012)
298 S.
fest geb.