Die Erschöpfung der Frauen
Frauen haben heutzutage in Gesellschaft und Beruf Möglichkeiten wie nie zuvor. Dass man dennoch von einer allgemeinen Erschöpfung der Frauen sprechen kann, führt die Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach in sieben Essays aus.
Gründe, die zu einer solchen Erschöpfung geführt haben: Frauen sind nach wie vor einer permanenten Verfügbarkeit unterworfen. Das betrifft viele Bereiche, wie die Autorin im Weiteren ausführt. Sexuelle Verfügbarkeit, auch im öffentlichen Raum, ein stetiger Kampf um Geltung im Konkurrenzkampf mit Männern, ständige latente Frauenfeindlichkeit, die Emanzipation erschwert und verzögert, eine Körperlichkeit, die sich vor allem auch an männlichen Schönheitsidealen orientiert, Mutterschaft, die immer noch hauptsächlich Frauen die Zuständigkeit zuweist sowie eine ständige Verausgabung in Beruf und Arbeit, da Frau sich durch Perfektion glaubt profilieren zu müssen, und nicht zuletzt die Verantwortung für das Gesamtmanagement Familie, „Mental Load“, die ebenfalls immer noch hauptsächlich Frauensache ist; all das führt zu einer permanenten Erschöpfung von Frauen. Franziska Schutzbach führt diese Gründe sehr nachvollziehbar aus und zeigt auf, dass gerade die Sorgearbeit von Frauen kapitalistische Wirtschaftsweisen fördert und einer weiteren Ausbeutung Vorschub leistet. - Ein komplexes und wichtiges Thema wird hier fundiert und ausführlich von allen Seiten beleuchtet und bewertet. Gerne empfohlen für ausgebaute Bestände, bei Bedarf auch schon für kleinere Büchereien.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Erschöpfung der Frauen
Franziska Schutzbach
Droemer (2021)
303 Seiten
fest geb.