Alman vs. Kanake
Arik Ünsal wächst in armen Verhältnissen in Bayern als Sohn türkischer Eltern auf, die in Deutschland eingewandert sind. Von Anfang an wird sein Leben durch Vorurteile, Rassismus und Ausgrenzungen bestimmt. Ein schlechter Hauptschulabschluss und
auch sein eigenes Temperament stehen seinen Talenten und Möglichkeiten im Fußball oder beispielsweise als Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft immer wieder im Weg. Mit den Jahren wird es nicht besser, sondern er gleitet immer mehr ab in Drogenabhängigkeit, Kriminalität und sogar Obdachlosigkeit. Erst mit 30 Jahren bekommt Arik durch Zufall die Möglichkeit, Profiboxer zu werden, und erlangt in den folgenden Jahren etliche Erfolge, auch international. Durch Reisen und Erfahrungen in andere Länder kann Arik seinen Horizont erweitern und vom einseitigen Hass zwischen Türken und Deutschen zu einer liberaleren Weltanschauung und anderen Werten gelangen und tritt seitdem öffentlich gegen Erdogans autoritären Regierungsstil an. Seine subjektiven Empfindungen und Erfahrungen während eines wichtigen Boxkampfes begleiten alle Kapitel des Buches und bilden ein eindrucksvolles Pendant zu seinem eigenen Lebensverlauf. Die derbe Sprache seiner Schilderungen mit unflätigen Ausdrücken und Schimpfworten ist gewöhnungsbedürftig, passt aber zum Charakter des Autors. Insgesamt ist das Buch ein Appell, sich für ein friedvolles Miteinander ohne Rassismus zu engagieren und Integration von Türken und Deutschen nach Möglichkeit zu fördern. Ein wichtiges Thema, authentisch geschildert.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Alman vs. Kanake
Ünsal Arik ; in Zusammenarbeit mit Hendrik Heisterberg
Droemer (2023)
299, [8] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
kt.