Nachruf auf den Mond
Matthew Homes ist noch ein Kind, als sein etwas älterer Bruder Simon während eines Campingurlaubs in Cornwall durch einen Unglücksfall ums Leben kommt. War Matthew tatsächlich daran beteiligt, oder gibt er sich nur zeitlebens die Schuld, nicht
genug auf seinen vermutlich geistig behinderten Bruder aufgepasst zu haben? Tatsache ist, dass seine psychische Erkrankung, die ihn schon als Schulkind zum Außenseiter stempelte, ihn immer wieder in psychiatrische Einrichtungen bringt. Zu einer geregelten Arbeit ist Homes nicht in der Lage, auch der Versuch einer Wohngemeinschaft mit seinem Freund Jacob scheitert. Einzig seine Großmutter und die scheinbar ebenfalls psychisch kranke Mutter sind seine Bezugspersonen. Deshalb wird er vom sozialen Pflegedienst der Stadt Bristol und dadurch von einem Psychologen betreut. Was Matthew bleibt, ist das Bestreben, die Erinnerung an seinen Bruder wach zu halten und ihm bzw. sich den Wunsch nach einer imaginären Ameisenfarm zu erfüllen. - Dieser Roman zeichnet das Bild eines jungen Mannes, der hin und her gerissen ist zwischen unsäglichen Schuldgefühlen, der Unfähigkeit sich sozial zu integrieren und den Auswirkungen seiner Psychosen. - Ein bedrückender, manchmal auch tragikomischer Roman, aber durchaus lesenswert. (Übers.: Eva Bonné)
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Nachruf auf den Mond
Nathan Filer
Droemer (2015)
315 S. : Ill.
fest geb.