Der Glashund
Wütend über die Nürnberger Gesetze beschließen drei jüdische Freundinnen, ihren HJ-Mitschüler Rolf auf die Probe zu stellen: eine von ihnen, Henriette sorgt dafür, dass Rolf sich in sie verliebt – doch dann lässt sie ihn fallen. Rolf sinnt
auf Rache. Als er schon Karriere bei der Gestapo gemacht hat, tut er alles, um für Henriettes Deportation zu sorgen. Doch Henriette findet Menschen, auch einen Nazioffizier, die ihr helfen. Immer wieder trifft sie auf ihren Kommilitonen Ben von der jüdischen Kunsthochschule, der ihr seinerzeit unsympathisch war. Als Verfolgte werden sie ein Paar und tauchen mitten in Berlin gemeinsam unter. Die Liebesgeschichte ist keineswegs idealistisch gezeichnet, sondern beschreibt auch die mit der existenzbedrohlichen Situation entstehenden Konflikte. Am Beispiel ihrer einfühlsam gezeichneten Protagonistin gelingt es Conrad, historisch fundiert über das Leben von jüdischen Menschen in Nazi-Deutschland zu erzählen. Ebenso authentisch und spannend thematisiert sie auch den Mut derer, die den Verfolgten unter Lebensgefahr Schutz boten. Am Beispiel des Gestapo-Offiziers offenbart die Autorin, wie Nazigrößen im Nachkriegsdeutschland Karriere machen konnten.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Glashund
Iris Conrad
Droemer (2024)
352 Seiten
fest geb.