Der kleine Kompass fürs Leben
Der 23-jährige geistig beeinträchtigte Joe-Nathan lebt seit dem Tod des Vaters alleine mit seiner Mutter, die ihn liebevoll umsorgt. Ihr drängendes Ziel ist es, ihn auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. In einem blauen Buch, das er häufig
zu Rate zieht, hat sie allerlei Nützliches und Praktisches rund um den Haushalt festgehalten. Joe arbeitet seit fünf Jahren im Compass Store, wo er mit Akribie die Regale befüllt. Er liebt seine Arbeit, die ihm durch ihre Gleichförmigkeit Sicherheit vermittelt. Hugo, sein Chef, ist sehr verständnisvoll und Chloe, eine junge Kollegin, freundet sich mit ihm an. Es gibt jedoch auch Charlie und seinen Kumpel im Store, die sich einen Spaß daraus machen, Joe zu hänseln und zu ärgern. Er jedoch, von dem seine Mutter sagt, dass er keiner Fliege etwas zuleide tun kann, lässt sich nicht beirren und versucht trotz allem unbeholfen, Charlie ein Freund zu sein. Dabei macht er eine Entdeckung, die ihn zwingt, bekanntes Terrain zu verlassen und seine Begrenzungen zu überwinden. Das gelbe Buch seiner Mutter, in dem sie ihm kluge Ratschläge für alle Lebenslagen aufgeschrieben hat, hilft ihm, denn was es heißt, Freunde zu haben, kennt er bisher nur aus seiner Lieblingsserie "F.R.I.E.N.D.S.". – Helen Fisher hat eine berührende Geschichte über einen jungen Mann mit Handicap geschrieben, der über sich hinauswächst und dabei zeigt, dass der erste Eindruck, den man von einem Menschen hat, trügen kann. Eine empfehlenswerte Lektüre für ältere Jugendliche und Erwachsene.
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Der kleine Kompass fürs Leben
Helen Fisher ; aus dem Englischen von Charlotte Breuer und [einem weiteren]
Droemer (2024)
367 Seiten
fest geb.