Das Echo des späten Lichts
Als der Trossinger Instrumentenbauer Paul 1945 in den Krieg ziehen muss und seine individuell gestaltete Mundharmonika mitnimmt, ahnt er nicht, dass das kleine Instrument vielen nach ihm noch Hoffnung und Trost bringen wird. Als Paul fällt, gelingt
es seinem Freund Erich, mit der Mundharmonika vor den Russen zu fliehen, bis er sie verliert. Ursula findet das Instrument und nimmt es mit in die Bretagne, wohin sie mit ihrer bretonischen Freundin zieht und sich, die als Deutsche und Lesbe in dem Dorf verachtet wird, mit dem Spiel auf der Mundharmonika tröstet, bis auch sie sie verliert. Das Instrument verhilft einem stotternden Jungen in Wien dazu, sein Leiden zu überwinden. In den 1960er-Jahren führt das Instrument in den USA zu einer Freundschaft zwischen zwei Jungen verschiedener Hautfarbe, um am Ende nach Deutschland zurückzukehren. – Obwohl es etwas konstruiert wirkt, dass alle Besitzer ihr geliebtes Instrument jeweils verlieren, gelingt Blum gerade durch den Besitzerwechsel ein realistisches Porträt ihrer einfühlsam gezeichneten Figuren und deren Schicksale, in denen sich die politischen und sozialen Verhältnisse ihrer Zeit spiegeln. Empfehlenswert.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Echo des späten Lichts
Lea Blum
Droemer (2026)
336 Seiten
fest geb.