Das Patriarchat im Uterus
Die katholische Kirche hat zu Abtreibungen eine klare Haltung: Sie sind schwere Sünde, Papst Franziskus sprach sogar von „Auftragsmord“. Doch sind solche Zuspitzungen in einer gesellschaftlichen Debatte wenig hilfreich; das Thema bringt Katholiken
immer wieder in Gewissensnöte. Die Gynäkologin Dr. med Alicia Baier (Doctors for Choice) tritt in diesem Buch ohne Wenn und Aber für ein Recht auf Abtreibung ein. Sie nimmt für sich in Anspruch, über Mythen, Missstände und Machtansprüche aufzuklären und schreibt als Ärztin, Feministin und Frau, die potenziell selbst von einer ungewollten Schwangerschaft betroffen sein könnte. Sie beginnt mit dem Thema „Politik und Macht“, in dem es um die Geschichte von Abtreibungen über den feministischen Protest, die heutige Situation, die Abtreibung als Straftat, den Schutz von Tätern und vieles mehr geht – eine in Teilen erschütternde Lektüre. Der zweite Teil handelt von „Medizin und Alltag“ (die Versorgungslage in Deutschland, frühe und spätere Schwangerschaftsabbrüche, Abtreibungsmythen, die ärztliche Ausbildung etc.). Ein ebenso entlarvendes wir gut geschriebenes Buch, das aufweckt und einen Missstand, nein, viele Missstände aufzeigt, die vielen Menschen nicht bewusst sind. Für Büchereien mit großen Sachbuchbeständen, die dem Anspruch an die Büchereiarbeit, auch über kontroverse Debatten zu informieren, nachkommen wollen.
Ruthild Kropp
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Patriarchat im Uterus
Alicia Baier
Droemer (2025)
350 Seiten : Illustration
fest geb.