Die Mitternachtsbibliothek
Wie ein Baum sich immer mehr verzweigt, so stehen wir, und in Matt Haigs Roman Nora Seed, vor immer neuen Entscheidungen. Durch Anforderungen des Umfelds und eigene Ansprüche an sich selbst scheint das Leben der Mittdreißigerin Nora in einer Sackgasse
zu stecken. Hat sie die richtigen Entscheidungen getroffen? Ist sie ein Gewinn für andere? Genügt sie den Ansprüchen anderer? Ihre "Unzulänglichkeit" treibt sie in einen Suizidversuch. Doch an der Schwelle zwischen Leben und Tod ermöglicht ihr die Mitternachtsbibliothek ein Eintauchen in mögliche Parallelleben, in Lebensentwürfe, die sie in der Fülle der ihr offenstehenden Möglichkeiten verworfen hat. Reue über vertane Chancen und vernachlässigte bzw. beendete zwischenmenschliche Beziehungen, die Erkenntnis, vieles betrachtet, aber nicht richtig gesehen zu haben, lassen sie schließlich in ihre ursprüngliche Welt zurückkehren. Veränderte Blickwinkel ermöglichen ihr letztlich, ihre getroffenen Entscheidungen anzunehmen und "Ja" zu ihrem realen Leben zu sagen. - Trotz reduziertem Text gegenüber dem Original ist Fordham durch die Kraft seiner Illustrationen eine überzeugende Adaption der "Mitternachtsbibliothek" gelungen.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Mitternachtsbibliothek
Matt Haig ; adaptiert und illustriert von Fred Fordham ; aus dem Englischen übersetzt von Alexandra Baisch
Droemer (2026)
248 Seiten : farbig
fest geb.