Eine Blattlaus kommt selten allein
Wen die Gartenleidenschaft wirklich gepackt hat, der entrinnt ihr so schnell nicht wieder. Das muss auch Margit Schönberger erfahren, deren Garten jahrzehntelang unbeachtet vor sich hin wilderte. Eines Tages jedoch wird ein Baum gefällt, der Blick
öffnet sich, Möglichkeiten werden erahnt, und schon ist es geschehen. Schönberger beschreibt amüsant, wie sie sozusagen unter den kritischen Augen der Nachbarn zur unerschrockenen Gärtnerin mutiert. Wildnis wird umgegraben, Terrassenplatten werden verlegt, es wird geplant, verworfen, gerodet, gesät und gepflanzt. Der Lohn ist anfänglicher Muskelkater, aber schon bald auch erste Erfolge, die weiter anstacheln. Jeder Gärtner wird sich wiedererkennen, wenn Schönberger den Versuchungen der Gartenkataloge erliegt, wenn sie sich geschlagen geben muss den Heeren der Ameisen, Blattläuse und Schnecken, aber auch wenn sie vom Glück berichtet, sich der Natur nahe zu fühlen, Blühwunder zu erleben und eigene Erzeugnisse zu ernten. Und wie alle Gärtner muss Schönberger erkennen, Gartenarbeit hört nie auf, denn nur ein paar Tage Abwesenheit reichen aus, und der unkontrollierte Wildwuchs übernimmt das Zepter, "ähnlich wie Kinder, die ausgelassene Partys feiern, sobald die Eltern ein paar Tage abwesend sind". - Nette Unterhaltung für naturbegeisterte Leser.
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Eine Blattlaus kommt selten allein
Margit Schönberger
Droemer (2012)
233 S. : Ill.
fest geb.