Schamland

Zwei Zitate machen Position und Anliegen des Autors deutlich: "In diesem Buch geht es darum, in Zeiten grassierender Markttyrannei das Soziale im Interesse der Humanität zu verteidigen" (S. 13), und: "Meine Soziologie ist eine wütende Wissenschaft. Schamland Sie ist nicht neutral, sondern interessegeleitet"(S. 14). Aus der bewegenden Schilderung des Alltags der Menschen, die "als unverschuldete Opfer von System- oder Modernisierungskrisen" mit großer Scham caritative Hilfe in Anspruch nehmen müssen, wird abgeleitet, dass sozialstaatliche Leistungen das Existenzminimum nicht mehr sichern. Der Autor kritisiert das Engagement ehrenamtlicher Helfer in Suppenküchen oder Tafeln, das den menschenunwürdigen Zustand der von Armut betroffenen Menschen verfestige und den Staat zunehmend aus seiner Verantwortung entlasse. Keinerlei Überlegungen hingegen finden sich zu der Frage, wie in Zeiten von Globalisierung, Euro-Krise, steigender Staatsverschuldung und demografischem Wandel die überbordenden Sozialkosten geschultert werden können. - So lesenswert dieses Buch als Sozialreportage auch sein mag, so wenig taugt es als Rezeptur gegen die neue Armut in unserem Lande.

Johann Book

Johann Book

rezensiert für den Borromäusverein.

Schamland

Schamland

Stefan Selke
Econ (2013)

279 S.
fest geb.

MedienNr.: 380783
ISBN 978-3-430-20152-0
9783430201520
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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