Putins Angriff auf Deutschland
Die Mahnungen kommen aus berufenem Mund. Als ehemaliger Diplomat in Osteuropa und Vizepräsident des BND ist der Hauptautor seinem Buchmotiv nahe gewesen. Es handelt von der hybriden Kriegsführung Russlands gegen den Westen, insbesondere gegen Deutschland.
Geschildert wird ein beeindruckendes Arsenal an Täuschung, Lüge und Propaganda, das vornehmlich über digitale Kanäle zum Einsatz kommt. Ziel sind vornehmlich die Nutzer sozialer Medien. Als Fazit bleibt, Deutschland tue viel zu wenig, wehre sich nicht, es fehle gar an Einsicht und politischem Willen zur Gegenwehr. Mit umfangreichen Vorschlägen für Abwehrmaßnahmen schließt das Autorenpaar. Die Autoren nehmen den Leser mit auf einen Parforceritt. Appelativ im Stil, bei der Wahl der Worte und Beispiele oft alarmierend geht es durch die einzelnen Dimensionen der Herausforderung. Gedankenführung und Aufbau des Buches sind konsequent, der Zuschnitt der Kapitel ermöglicht ein abschnittsweises Lesen. Zuweilen schießt das Autorenduo allerdings übers Ziel hinaus. Allzu schroff im Ton sind einzelne Passagen geraten, was dem Anliegen der Autoren eher schadet als nutzt. Eine Reihe von Vorschlägen zur Internetkontrolle ist mit Grundrechten wie dem freien Zugang zu Information oder dem Recht auf Meinungsäußerung nur schwer vereinbar. Trotz dieser Mankos ein aufrüttelnder Debattenbeitrag. Ab mittleren Beständen geeignet.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Putins Angriff auf Deutschland
Arndt Freytag von Loringhoven, Leon Erlenhorst
Econ (2024)
331 Seiten
fest geb.