Deutschland ist krank
Die von den Autoren vertretene Grundthese lautet: Deutschland investiere viel Geld in eine Reparaturmedizin, aber zu wenig in Prävention und Gesundheitskompetenz. Gefordert wird mehr Eigenverantwortung im Sinne von Bildungserwerb über den Körper,
seine Organe, Ernährung, Stoffwechselvorgänge, präventive sportliche Betätigungen wie Bewegung und Krafttraining von jedem einzelnen Menschen. Da mit Ausnahme von einzelnen zugespitzten Formulierungen sachlich analysiert wird, kann das Buch als Impulsgeber für eine gesundheitspolitische Debatte dienen, wenn gesellschaftliche Faktoren wie soziale Ungleichheit und Arbeitsbedingungen einbezogen werden. Froböse favorisiert eine Optimierung seiner „BER-Regel“ (Bewegung, Ernährung und Regeneration von Stress), vom Kindes- bis Greisenalter zur Prävention einer zunehmenden Inflation chronischer Erkrankungen, deren Kosten das Gesundheitssystem jetzt schon überfordern und laut Prognose ab 2030 einen Systemkollaps herbeiführen werden. Die Autoren berücksichtigen nicht die Abstufung in primäre, sekundäre und tertiäre Präventionsabschnitte, die von Beginn an den GKV-Strukturen zugrunde liegt. Bedauerlicherweise stünde eine gründliche gesundheitspolitische Analyse des in Deutschland seit Jahren überlasteten Gesundheitssystems noch aus. Seit Jahrzehnten sei die Verwaltung eines Krankheitssystems gewachsen, weshalb unbedingt hinterfragt werden sollte, wem dieses System nutzt, und ob ein Systemwechsel in der BRD politisch gewollt und durchführbar sei, werde sich zeigen. Deshalb individuelle Vorsorge „BER“ betreiben! – Ein bewusst provokant und alarmierend geschriebenes, praxisnahes Buch für interessierte Laien. Für alle Bestände.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Deutschland ist krank
Ingo Froböse, Stefan Sauerzapf
Econ (2026)
375 Seiten
fest geb.