Im Club der Trauernden
Cariad Lloyd war fünfzehn, als ihr Vater starb. Sie schildert es als Ereignis, durch das sie mit einem Schlag erwachsen wurde und gleichzeitig zur ewigen Jugendlichen erstarrte. Zwanzig Jahre später beginnt sie, sich ihren schmerzhaften Erinnerungen
zu öffnen. Sie ruft den „Griefcast“ (Trauer-Podcast) ins Leben. Sie spricht mit anderen Betroffenen, beschreibt ihre Trauer als einen langen Weg durch Wut und Verwirrung, schildert das Unverständnis anderer und ihren Rückzug – bis es nicht mehr ging. Trauer ist Chaos, sagt sie, und: Du hast recht in all deinen Gefühlen. Damit ermutigt sie andere, die Ähnliches erlebt haben. Sie greift Fragen auf, die sich aus ihren Erfahrungen ergeben: Was sagt man Trauernden, was nicht; wie bereitet man sich auf das eigene Sterben vor? Außer kurzen Statements ihrer Gesprächspartner beschreibt sie ihren traumatisch erlebten Verlust und den schwierigen Umgang mit lang verdrängter Trauer. Die Pointen, die sie setzt, mögen für einen Podcast unterhaltsam sein, auf gut 300 Seiten ist es nicht immer nachvollziehbar. Leser/-innen in ähnlichen Situationen können sich aber durchaus verstanden fühlen und wissen: Ich bin mit meinen verwirrenden Gefühlen nicht allein.
Christiane Raeder
rezensiert für den Borromäusverein.
Im Club der Trauernden
Cariad Lloyd ; aus dem Englischen von Nikolaus de Palézieux
Goldmann (2022)
319 Seiten
kt.