Einfach nur dagegen

Der Autor, ein bekannter SZ-Journalist, zeichnet ein düsteres Bild von Deutschlands Zukunft - und sicher überzeichnet er bewusst durch manche pointierte Pauschalisierung auch ein wenig. Ein lähmender Antimodernismus hat nach seiner Meinung unsere Einfach nur dagegen alternde Gesellschaft erfasst. Das Grundgefühl der Angst, ja Hysterie bestimmt unser Denken und Handeln. Veränderung ist aber das "Urprinzip des Lebens" (203). Wir aber wollen nur bewahren, sind gegen jede Veränderung, tragen gegen alles Innovative Bedenken, verteufeln den technischen Fortschritt und suhlen uns naiv im "Neo-Biedermeier" (155). Dem "Wutbürger" ist "alles recht, solange es nicht Gegenwart heißt. Oder gar Zukunft." (155) Mit dieser Einstellung werden wir nach Ansicht des Autors den Herausforderungen unserer Zeit nicht gerecht, aber v.a. verbauen wir unseren Kindern die Zukunft. Es kann nicht um bloße Verweigerung gehen, sondern um mutiges, zukunftsorientiertes Aufgreifen der Probleme der Gegenwart, eine "zweite Moderne" (221) sei das Gebot der Stunde. Seine Thesen belegt der Autor an vielen konkreten Beispielen, wobei "Stuttgart 21" oder die Elbphilharmonie in Hamburg sicher die prominentesten sind. Sein leicht lesbares, flüssig geschriebenes, oft ironisch gefärbtes und durchweg engagiertes Buch kann sicher viele Denkanstöße geben, dürfte aber bei manchem Leser auch auf deutlichen Widerspruch stoßen.

Einfach nur dagegen

Einfach nur dagegen

Gerhard Matzig
Goldmann (2011)

221 S.
fest geb.

MedienNr.: 350820
ISBN 978-3-442-31273-3
9783442312733
ca. 17,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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