Frauen, die wandern, sind nie allein
Frauen, die wandern, sind nie allein - um das zu zeigen, wählt Kerri Andrews zehn Autorinnen aus drei Jahrhunderten aus, die in den Bergen oder durch große Städte wandern und diese Tätigkeit sowie deren Bedeutung für ihr Leben beschreiben. So
wandert Sarah Stoddard Hazlitt vor den Unannehmlichkeiten des Scheidungsprozesses davon, Harriet Martineau wandert sich nach 5 Jahren Krankheit „gesund“. Virginia Woolf füllt ihren Geist beim Gehen durch die Großstadt erneut, nachdem sie ihn beim Schreiben entleert hat. Anais Nin erfährt durch die Beobachtungen in der Großstadt tatsächlich sexuelle Erregung. Cheryl Strayed verarbeitet den Tod der Mutter und das Ende der Ehe auf einem großen Wandertrip und bildet eine neue Identität. Während das Wandern bei den Beispielen aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit Hilfe mehrerer zitierter Textpassagen vorgestellt wird, erfolgt bei den Dichterinnen des 20. Jahrhunderts nicht nur eine Wiedergabe, sondern auch sprachliche Analyse von Textstellen der Wanderberichte. Immer schließt sich eine kurze Passage an, in der K. Andrews ein eigenes Wandererlebnis in dem zuvor beschriebenen Gebiet anschließt. Das Problem des Buches ist, dass ein großer Teil der betrachteten Autorinnen einem nicht anglophilen Leser/-in nicht bekannt ist - Ausnahmen sind genau die auf dem Cover genannten Woolf und Nin -, auch die Welt der schottischen Berge mit vielen kleinen Gipfeln und kleinen Ortschaften, in der fast alle der detailliert beschriebenen Bergwanderungen stattfinden, dürften die wenigsten der (deutschen) Leser/-innen kennen. Eine KÖB hat dafür kaum das Lesepublikum.
Barbara Schürmann-Preußler
rezensiert für den Borromäusverein.
Frauen, die wandern, sind nie allein
Kerri Andrews ; aus dem Englischen übersetzt von Anne Emmert und [einer weiteren]
Goldmann (2022)
350 Seiten
fest geb.