Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?
Richard David Prechts erstmals 2007 erschienenes philosophisches Werk "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" gehört zu den erfolgreichsten deutschen Sachbüchern der ersten Dekade unseres Jahrhunderts und wird bis heute nachgefragt. Nun hat ein Autorenduo
eine grafische Umsetzung der von Precht in seinem Sachbuch aufgeworfenen Fragen zum Bewusstsein und zum Ich, zur Moral und verantwortlichem ethischen Handeln und zum Sinn des Lebens und zur Existenz Gottes vorgenommen. Dazu begleiten die Lesenden den Autor auf einer fiktiven, nicht chronologischen Reise durch die Zeiten zu großen Philosophen, Psychologen, Hirn- und Verhaltensforschern, die durch ihre Gedanken und Werke Substantielles zu diesen Fragen beigetragen haben. Zumeist im Dialog Prechts mit diesen Denkern und Wissenschaftlern werden die durchaus nicht immer kompatiblen Kernaussagen der jeweiligen Geistesgrößen herausgearbeitet, zugleich aber auch deren Schrullen und Charaktereigenschaften teils unterhaltsam mit eingeflochten. Im Schlussteil schwirren zahlreiche Gedanken durch den Kopf des Reisenden, der schließlich zu der vielleicht recht banalen Erkenntnis gelangt, dass der Sinn des Lebens das Leben ist. – Der Grundton der monochromen Farbgebung der teils getuschten und mit Rastern unterlegten Zeichnungen wechselt bei den jeweiligen Besuchsorten des Reisenden. Dadurch wird eine gewisse Gliederung der fortlaufend erzählten Geschichte hergestellt. Für Freundinnen und Freunde grafischer Literatur sicherlich ein Lesegenuss, der einen anderen Zugang zu Prechts Zusammenschau zentraler philosophischer und existentieller Fragen bietet. Schon Büchereien mit mittelgroßen Beständen zur Anschaffung empfohlen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?
Richard David Precht ; Drehbuch: Martin Möller ; Illustrationen: Jörg Hartmann
Goldmann (2024)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.