Der chinesische (Alb)Traum
Des einen Traum wird leicht zum Albtraum der anderen. Diese titelgebende Erkenntnis gewinnt der langjährige Ostasienkorrespondent Philipp Mattheis, wenn er die Hauptlinien der Vormachtpolitik Chinas analysiert. Seien es das Großprojekt "Neue Seidenstraße",
das Schmieden der Organisation der BRICS-Staaten, neokoloniale Muskelspiele um Räume und Rohstoffe oder die Nutzung der Digitalisierung zur Schaffung einer formierten Gesellschaft. Der Autor befürchtet, dass der Westen weniger seine liberalen Werte dagegen spielt, als selbst immer mehr zu einem autoritär agierenden Spiegelbild zu werden. Am Ende steht der Apell, diesem Nachvollzug zu widerstehen. Das Buch schildert wesentliche Aspekte chinesischer Außen- und Wirtschaftspolitik in knapp zwanzig aufeinander aufbauenden Artikeln. Deren Inhalte liegen sprachlich wie intellektuell auf dem Niveau bekannter überregionaler Tageszeitungen. Was der Verständlichkeit für den Leser sehr zugute kommt, allerdings für den politisch interessierten Leser kaum substanziell Neues bietet. – Ein solides Werk, sauber recherchiert, bringt es eine faire Zusammenfassung seines Kernthemas. Es hat Potential, ähnliche Überblickswerke über China aus den 2010er-Jahren in mittleren bis großen Beständen zu ersetzen.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der chinesische (Alb)Traum
Philipp Mattheis
Goldmann (2024)
286 Seiten : Karten
fest geb.