On se left you see se Siegessäule
Nach seinem Geschichtsstudium beginnt Tilmann einen Job als Stadtbilderklärer auf einem Ausflugsschiff. Hier gibt es die unterschiedlichsten Typen, mit denen er sich herumschlagen muss: angefangen vom verdrießlichen Kellner Klaus, über besoffene
Spanier, interesselose Gymnasiasten bis zur randalierenden Herrenclique. Tilmann lernt seine Führung den jeweiligen Begebenheiten anzupassen, verwandelt den Reichstag in eine Brauerei und das Kanzleramt in ein Bordell. - Autor Tilmann Birr arbeitete selbst als Stadtbilderklärer und weiß, wovon er schreibt. Mit wenigen Worten erschafft er "Typen", die Klischees entsprechen, um sie dann auf die Schippe zu nehmen. Birrs Erfahrungen auf der Lesebühne haben ihn eine pointierte Sprache gelehrt, sein Witz ist herrlich. Allerdings mag Birrs Tabulosigkeit manchen Lesern zu weit führen, beispielsweise wenn Klaus ihn mit "Mein Führer" anredet oder Kollege Martin den Touristen erklärt, alles, was aus Nazimaterial sei, wäre unzerstörbar. Alles in allem gehört Birr einer jungen Generation an, die mit einer gehörigen Portion Frechheit und Selbstvertrauen ausgestattet ihren literarischen Weg erfrischend neu bestreitet.
Tina Schröder
rezensiert für den Borromäusverein.
On se left you see se Siegessäule
Tilman Birr
Manhattan (2012)
300 S.
fest geb.