Ein Geist in der Kehle
Als die Ich-Erzählerin während ihrer dritten Schwangerschaft ein Gedicht der im 18. Jh. lebenden irischen Edelfrau Eibhlin Dubh Ni Chonaill, 'Nelly', wiederentdeckt (es war ihr zu Schulzeiten schon aufgefallen), will sie dem Leben dieser Adligen
nachspüren. Abgesehen davon, dass Nelly gegen den Willen ihrer Eltern einen Banditen geheiratet hatte, widmete Nelly ihrem Mann nach dessen Ermordung ein Gedicht, in dem sie ihn einerseits zum Helden stilisiert, andererseits viel über ihr eigenes Leben preisgibt. Dadurch, dass die Ich-Erzählerin die Orte besucht, in denen Nelly gelebt hat, fühlt sie sich der Adligen des 18. Jh. auf mystische Weise verbunden. Gespickt mit vielen Selbstreflexionen erzählt sie abwechselnd vom Erleben Nellys und von ihrem eigenen Leben. Dabei werden die Biografien nur fragmentarisch vor allem in ihren Gemeinsamkeiten wiedergegeben. – Die irische Dichterin und Essayistin Ni Ghríofa zeigt mit diesem (auto-) biographischen Essay, dass Geschichte auf physische Weise erfahrbar werden kann, indem man die Orte besucht und auf sich wirken lässt, in denen Menschen früherer Zeiten gelebt haben. Etwas Besonderes!
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Geist in der Kehle
Doireann Ni Ghriofa ; übersetzt von Cornelius Reiber und [einem weiteren]
btb (2023)
381 Seiten
fest geb.