Zwei Väter
John Niven ("O Brother", BP/mp 24/780) porträtiert sehr gelungen zwei vollkommen unterschiedliche junge Männer, deren Wege sich mehrmals kreuzen. Dan, voller Freude über die Geburt seines ersten Kindes, trifft im Krankenhaus auf Jada, den frischgebackenen
Sechsfach-Vater. Zwei Welten prallen aufeinander: Ober- und Unterschicht, der glücklich verheiratete, als Drehbuchautor äußerst erfolgreich und finanziell abgesicherte Dan und der Macho und Kleinganove Jada, der unter desaströsen Umständen mit seiner Freundin Familienleben versucht. Die soziale Kluft wird neben den Lebensverhältnissen besonders durch Dans elaborierte und Jadas simple, teilweise obszöne Sprache deutlich. Doch Leben ist Veränderung und nach dem Tod seines Sohnes katapultieren psychische Instabilität und Alkohol Dan in Jadas Milieu. Die sich entwickelnde Männerfreundschaft offenbart, dass nichts nur weiß oder schwarz, gut oder böse ist. Männliches Selbstverständnis, gesellschaftliche Anforderungen, Anlagen und Prägung durch soziale Milieus werden hier hervorragend und schonungslos präsentiert. – Das Buch kann schockieren, ist als Schicksalsroman dennoch für jede Bestandsgröße geeignet.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Zwei Väter
John Niven ; aus dem schottischen Englisch von Stephan Glietsch
btb (2026)
411 Seiten
kt.