O brother

Der Selbstmord seines knapp zwei Jahre jüngeren Bruders mit 42 Jahren ist Grund und Ausgangspunkt für John Niven, auf seine Kindheit und Jugend in der schottischen Kleinstadt Irvine zurückzublicken und nach Gründen für den tragischen Selbstmord O brother seines Bruders zu suchen. Während Niven von Anfang an ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern hat, studiert, in Bands spielt, Karriere bei einer Plattenfirma macht und schlussendlich doch ein erfolgreicher Romanautor wird, ist sein jüngerer Bruder Gary schon immer schwierig, eigensinnig und aufsässig, schmeißt die Schule, macht Schulden und gleitet immer weiter ab. Obgleich beide während ihrer Jugend und auch noch später viel mit Drogen und Alkohol zu tun haben, ist in den Schilderungen von John immer eine gewisse Resilienz spürbar, die ihn vor dem Abgleiten bewahrt, die sein Bruder Gary aber nie gehabt hat und die ihn mit Eltern, Geschwistern und seiner Umwelt immer wieder hadern lässt und mit der er nicht zurechtkommt. Schonungslos geht Niven den Geschehnissen in Kindheit und Jugend nach; dem Verhalten seiner Eltern, dem Vater, der oft handgreiflich wird, und gesteht sich auch selbst ein, dass er mehr für seinen Bruder hätte tun können. „O Brother“ wirft die Frage auf, warum manchmal die Lebenswege von Kindern aus einer Familie so sehr unterschiedlich sein und scheitern können. Eindrucksvolle Dialoge und Schilderungen, die ans Herz gehen, machen diesen Lebensbericht zu einem ganz besonderen Leseerlebnis. – Unbedingt für alle Büchereien empfohlen.

Annemarie Schreibert

Annemarie Schreibert

rezensiert für den Borromäusverein.

O brother

O brother

John Niven ; aus dem schottischen Englisch von Stephan Glietsch
btb (2024)

392 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 618119
ISBN 978-3-442-76248-4
9783442762484
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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