Wir sind nicht hier, um Spaß zu haben
Knut hat gleich mehrere Probleme: Vor 20 Jahren schrieb er sein letztes gutes Buch, er fühlt sich erschöpft und eine Autorin hat ihn nun in einem autofiktionalen Erfolgsroman bloßgestellt. Nun ist er völlig überraschend und als Lückenbüßer
zu einem renommierten Literaturfestival in Lillehammer eingeladen, an dem aber auch Lene, seine Ex-Frau, deren neuer Ehemann Terje und eine „Wirklichkeitsbeschreiberin“, die Knut angeblich vor drei Jahren sexuell belästigt haben soll, teilnehmen. Das Festival mit dem Thema „Untreue im Leben und in der Literatur“ artet in einen Streit auf der Bühne aus, das Publikum (zu 95 % Frauen) findet das alles toll und filmt fleißig mit dem Handy mit. Knut hat die Menschheit noch nie so sehr gehasst wie in diesem Moment. Seinem Lektor schickt er Monate später ein 300 Seiten starkes Manuskript über die Episode in Lillehammer und sorgt für Begeisterung. Sein Leben scheint wieder im Gleichgewicht, er kauft sich ein kleines heruntergekommenes Haus, renoviert es und lebt nun zwischen Ratten und Vogelgezwitscher. Ein raffiniert geschriebener Roman der Norwegenerin Nina Lykke, die schon den wichtigsten norwegischen Literaturpreis, den Bragepreis, für ihr Schaffen erhielt.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir sind nicht hier, um Spaß zu haben
Nina Lykke ; aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger und [einer weiteren]
btb (2024)
313 Seiten
kt.