Der Flug des Falken
Als in der nordschwedischen Heimat von Ramona Lindh ein junges Mädchen ermordet in einem Boot aufgefunden wird, bittet Kriminalkommissar Mange sie um Hilfe. Ramona ist nämlich nicht nur eine einfühlsame Sozialarbeiterin, sie hat auch eine seherische
Gabe, sodass sie sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft ihres Gegenübers blicken kann. Manchmal führen ihre Visionen dazu, dass sie scheinbar falsche Entscheidungen bei den von ihr betreuten Familien fällt, die sich aber viel später als richtig erweisen. Oft hadert sie mit sich und ihrer Gabe. Die Spur der Ermittlungen führt u. a. ins Bergwerk, wo Ramonas Mann Peter arbeitet. Mange übt Druck auf Ramona aus, damit sie endlich ihre Gabe einsetzt und zur Ermittlung beiträgt. Zum Ende hin wird zwar nicht der wahre Mörder gestellt, aber trotzdem Gerechtigkeit geschaffen; ein raffinierter Schluss! – Mit diesem Krimi, Auftakt einer Reihe, begeht Anton Marklund sein internationales Debüt. Seine eigenen Erfahrungen im sozialen Bereich als Betreuer von Behinderten machen die Schilderung glaubhaft. Er kann sich zudem in seine weibliche Hauptperson, die der Männerwelt öfters skeptisch gegenübersteht, bestens hineinversetzen. Wer psychologisch eindringliche „Nordic noir“-Krimis mit düster-melancholischer Grundstimmung mag, dem sei diese neue Reihe mit einer fürs Genre ungewöhnlichen Hauptprotagonistin gerne empfohlen.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Flug des Falken
Anton Marklund ; aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne
btb (2025)
444 Seiten
kt.