Die sind doch alle doof!
Als die Elster beim Umbau ihres Nestes ein kleines, aber wichtiges Stöckchen beiseitelegt, findet das Huhn dieses Stöckchen und beschließt, es fortan als Sitzstange zu gebrauchen. Doch dazu kommt es nicht, denn auch das Pferd, das Schwein und das
Kaninchen melden nacheinander ihre Ansprüche an. Das kann nicht gut gehen, es kommt zum Streit, der nur vergessen, kaum verziehen werden kann. - "Eine Geschichte unter Freunden" lautet der Untertitel dieses Buches und dass sich auch beste Freunde um einen Gegenstand streiten können, gehört zu den Grunderfahrungen schon kleinster Kinder. Vergnüglich wird das Ganze für die Leser und Betrachter der Geschichte, wenn die Figuren einem lächerlichen Missverständnis unterliegen und einen Dieb in Verdacht haben. Die groteske Hässlichkeit der Tiere, ihre Gier und ihre schlagartige Erkenntnis, dass sie alle nur dasselbe wollen, beobachtet man mit Mitgefühl und Schadenfreude. Unterstützt werden diese zwiespältigen Gefühle durch die ungeschönten Karikaturen der Helden und durch die abwechslungsreiche Typografie des Textes. Manche Konflikte lassen sich einfach nicht lösen - so die Moral der Geschichte - aber Freundschaften halten auch das aus: man verschmerzt den Verlust und rauft sich wieder zusammen, wie im richtigen Leben.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die sind doch alle doof!
Kaia ... Brænne ; Per Dybvig
Hanser (2012)
[16] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4