Versetzter Stein
Der Autor wurde 1973 in Mazedonien, einem im heutigen Europa sehr an den Rand gedrängten Land geboren. Leider wird in dem ansonsten gewohnt gut präsentierten neuen Band der Münchner "Edition Lyrik Kabinett" keine weitere biographische Information
geliefert. So wird der Leser gezwungen, nur die Gedichte eines bislang im deutschen Sprachraum unbekannten Lyrikers zu lesen. Und dann stößt man auf ganz wunderbar leichte Gedichte, von denen man einzelne Verse auswendig lernen möchte, um sie immer bei sich zu haben. "Sei allein, aber nicht einsam,/ damit dich der Himmel umarmen kann./ Damit du die einsame Erde umarmen kannst." Überhaupt ist in einigen Gedichten immer wieder von 'Umarmungen' die Rede mit denen der Autor der Welt begegnet. Aber es sind keine Gesten des Einverständnisses mit der Welt so, wie sie ist, sondern Öffnungen zu anderen Sichtweisen des uns bekannten Alltags. "An der Umarmung hinter der Ecke wirst du erkennen,/ daß jemand fortgeht, irgendwohin. So ist es immer ... Mein Herz faßt mehr und mehr Menschen, weil sie nicht mehr da sind." Immer wieder schimmert auch Zeitgeschichte durch in seinen Gedichten, die so still daherkommen und so vieles zu sagen haben. "Europa vereinte sich,/ bevor wir geboren wurden, und das Haar/ eines Mädchens breitete sich ruhig/ über die Oberfläche des Meeres aus". Dieses Europa, an das uns der Autor hier erinnert, wünschen wir uns auch und nicht nur das Europa der hetzenden Börsenmakler, der kühlen Spekulanten und trickreichen Politiker. (Übers.: Alexander Sitzmann)
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Versetzter Stein
Nikola Madzirov
Hanser (2011)
Edition Lyrik Kabinett ; 20
61 S. : 21 cm
fest geb.