Am Robbenkap
Da sitzt einer in der vermutlich angenehm temperierten Badewanne, taucht zum Spaß, so wie man es vielleicht als Kind auch gerne getan hat, den Kopf in das Wasser, hält die Luft an, taucht wieder auf - und dann sind die Eltern gestorben, ist die gesamte
Kindheit vorbei, ist die Ehe gescheitert, haben die eigenen Kinder das Haus verlassen, ist die Haut gealtert und schlaff geworden. Auch so kann man sich auf die Suche nach "der verlorenen Zeit" machen. Kopf eintauchen, Luft anhalten, wieder auftauchen ... In dem Gedichtband von Robin Robertson sind noch viele andere, auch längere Gedichte zu finden, in denen aber fast immer die Themen Zeit und Vergänglichkeit im Mittelpunkt stehen. "Heute morgen, im Farnkraut/ hinter dem östlichen Feld, fand ich/ die durchgebrannten Birnen des Sonnenuntergangs; auf nasser Wiese, nach dem Schnee,/ die Wirbelsäule des Schneemanns." - Geboren wurde Robin Robertson 1955 in Score, Perthshire, Schottland. Sein Übersetzer Jan Wagner betont in seinem Nachwort ganz besonders die "schottische Färbung" der Gedichte von Robertson. "Kommen nicht die interessantesten poetischen Entwicklungen immer wieder von den Rändern her ins Herz des Vereinigten Königreiches ...?"
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Am Robbenkap
Robin Robertson
Hanser (2013)
Edition Lyrik Kabinett ; 26
67 S.
fest geb.