Alphabet des Augenblicks
Piero Salabè, der Übersetzer von Patrizia Cavalli, führt mit diesem Buch einen weiteren, bislang im deutschsprachigen Raum unbekannten Dichter bei uns ein. Milo De Angelis gehört nicht mehr zu den ganz jungen italienischen Schriftstellern (geb.
1951), aber man spürt in seinen Gedichten, dass er "zwischen den Generationen steht". Spürbar ist ein Echo von Eugenio Montale aus der ersten Nachkriegszeit, vielleicht auch von Pasolini mit seiner Vorliebe für die urbanen Randbezirke. Und mit der jüngeren italienischen Literaturszene verbindet De Angelis vielleicht deren große Illusionslosigkeit, auch Enttäuschung nach einer oft extremen Politisierung vor und während der Berlusconi-Jahre. In die Gedichte von Milo de Angelis "einzudringen" ist nicht ganz einfach und ohne das den Band abschließende Nachwort von Salabè würde man wahrscheinlich einige Gedichte überhaupt nicht verstehen. Doch langsam, die Gedichte immer und immer wieder lesend, bleibt da etwas hängen, was irritiert und nicht mehr aus dem Kopf weichen will. "Nehmen wir das, was dir nicht gehört, / so bleibt dir nichts übrig." (Übers.: Piero Salabè)
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Alphabet des Augenblicks
Milo De Angelis
Hanser (2013)
Edition Lyrik Kabinett ; 28
154 S.
fest geb.