Das Buch der Gleichnisse
Als alter Mann erhält der Erzähler ein angebranntes Notizbuch mit Liebesgedichten seines Vaters Elof an seine Mutter. Rätselhaft bleibt, warum neun Seiten fehlen, doch wird dem Erzähler dieses Notizbuch zum Anlass über sein eigenes (Liebes)Leben
nachzudenken. Besonders intensiv erinnert er sich an seine erste sexuelle Erfahrung als 15-jähriger mit einer 51-jährigen Frau. Erst im Alter erkennt er, dass diese Frau ihm nicht nur zu einem unvergessenen Liebesakt verholfen hat, sondern dass dieser Akt ihm Möglichkeit eröffnet hat, sich aus seiner körperfeindlichen puritanischen religiösen Erziehung zu befreien. Enquist versteht es, die Probleme eines jungen Mannes zu thematisieren, der in Zwiespalt mit anerzogenen Glaubenssätzen und dem eigenen Empfinden gerät. Ein sehr persönliches, poetisches Buch, das aus der Rückschau eines alten Mannes erzählt wird, ohne einer Chronologie der Ereignisse zu folgen. Das Buch kann als kritische Schrift gegen religiösen Fanatismus und seine möglicherweise verheerenden Folgen für den Einzelnen gelesen werden. Empfehlenswert. (Übers.: Wolfgang Butt)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Buch der Gleichnisse
Per Olov Enquist
Hanser (2013)
221 S.
fest geb.