Bei Regen im Saal
Reinhard ist Mitte vierzig und schlingert durchs Leben. Trotz abgeschlossenem Philosophie-Studium arbeitet er als Barkeeper, später als Rezeptionist und "Überwinder". Sein einziger Halt ist Sonja, eine Finanzbeamtin. Doch trotz gutem Sex quält ihn
die Verlassensangst. Zurecht, denn Sonja heiratet einen anderen. Nun wird es Zeit, das "Schwanken seiner Biografie" zu beenden. Reinhard nimmt einen Job als Provinz-Redakteur an und bemüht sich, die "Lust des Jammerns" zu unterdrücken. Und - oh Wunder! - Sonja kehrt zurück und Reinhard stellt fest, dass seine eigene Fantasie die eigentliche Katastrophe ist. - Ist man erst einmal bereit, sich auf den absatzarmen Schreibstil des preisgekrönten Autors einzulassen, so begreift man, dass die Aneinanderreihung von Beobachtungen zum Wesen des Ich-Erzählers gehört. Und man entdeckt so manche Formulierung, die man sich am liebsten eingerahmt an die Wand hängen möchte, so treffend spiegelt sie das Leben wider. Ein wahres Schätzchen.
Tina Schröder
rezensiert für den Borromäusverein.
Bei Regen im Saal
Wilhelm Genazino
Hanser (2014)
157 S.
fest geb.