Die Bäume spielen Wald

Mit Tadeusz Dabrowski (geb. 1979) hat die große polnische Lyriktradition (Szymborska, Herbert, Milosz, Zagajewski u.a.) eine neue Stimme gefunden, von der noch viel zu erwarten ist. Und liest man die nun in der 'Edition Lyrik Kabinett' des Hanser-Verlages Die Bäume spielen Wald erschienenen neu übersetzten Gedichte, ist man über die Originalität, den Witz, die Sprachsensibilität des Autors tatsächlich sofort eingenommen. Da ist ein Dichter "auf der Höhe der Zeit", nimmt fast immer aktuelle Stimmungen und Provokationen etwa aus dem unentwegten Konsum von Internet-Angeboten auf, bricht sie poetisch, oft auch mit großer Ironie und schenkt dem Leser so eine ganz neue Sicht auf die Welt. Sein Gedicht etwa über die 'Identitätssuche' ist dafür ein gutes Beispiel. "Vor langer Zeit schuf der Mensch sich seine Identität./ Jetzt sucht er sie. Auch ich suche - hin und wieder finde ich etwas, das danach aussieht." Für den, der die Gedichte von Tadeusz Dabrowski liest, gibt es nicht die "eine Wahrheit", die "eine auf alle Zeiten festgefügte Identität". Man lernt mit jedem Gedicht mehr, sich nicht so ernst zu nehmen. "Dichtung ist/ wenn du's spürst/ dieses Etwas/ Spürst du's? Wenn nicht,/ lies das Gedicht/ noch mal". (Übers.: Renate Schmidgall)

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Bäume spielen Wald

Die Bäume spielen Wald

Tadeusz Dabrowski
Hanser (2014)

Edition Lyrik Kabinett
96 S.
fest geb.

MedienNr.: 409161
ISBN 978-3-446-24664-5
9783446246645
ca. 15,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.