Die Unamerikanischen

Die Protagonisten dieser acht mitreißenden Erzählungen sind Amerikaner, aber doch keine klischeehaft typischen. Sei es, dass sie in der McCarthy-Ära als Linke/Kommunisten wegen "unamerikanischer Umtriebe" (S. 252) verfolgt werden, sei es, dass sie Die Unamerikanischen Juden sind und zwischen Israel und den USA pendeln, sei es dass sie als Partisanen agierten oder als Immigranten im Zweiten Weltkrieg oder in der Zeit des Kalten Krieges in den USA Zuflucht gefunden haben. Gemeinsam ist allen diesen Texten, dass es sich im Kern um problematische Beziehungs- und Liebesgeschichten handelt. Diese sind freilich eingebettet in sehr unterschiedlichen Kontexten, die jeweils großes Eigengewicht entfalten. Keine Geschichte gleicht somit der anderen. Und trotz der Vielfältigkeit der Protagonisten und der Szenarien, die die Autorin sehr plastisch vor den Augen des gefesselten Lesers erstehen lässt, wirken sie nicht ausgedacht. Erstaunlich genug bei einer so jungen Autorin (geb. 1979), die ganz offensichtlich nur teilweise auf eigene Erfahrungen oder auf die ihrer aus Weißrussland stammenden Familie zurückgreifen kann. Alle diese intelligenten, meisterlich komponierten und sprachlich erstaunlich süffigen Erzählungen gehen dem Leser nahe, auch weil die Figuren so überzeugend lebensnah gestaltet sind und weil es sich um komplexe, widersprüchliche, keineswegs eindimensionale Charaktere handelt, die zur Identifikation oder auch zur kritischen Auseinandersetzung einladen. Ein erstaunliches literarisches Debüt! Unbedingt lesenswert! (Übers.: Patricia Klobusicky)

Die Unamerikanischen

Die Unamerikanischen

Molly Antopol
Hanser Berlin (2015)

318 S.
fest geb.

MedienNr.: 783168
ISBN 978-3-446-24771-0
9783446247710
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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