Das Stadttor geht auf
Nach 13 Jahren Exil darf der bekannte Dichter und Regimekritiker Bei Dao 2001 seinen todkranken Vater in seiner Heimatstadt Peking besuchen, die er kaum wiedererkennt. So reift sein Entschluss, das alte Peking literarisch wiederaufzubauen und wie bei
einer prähistorischen Ausgrabung auf die eigene Kindheit und Jugend zurückzublicken. Der Autor schildert mit Humor und spöttischer Leichtigkeit den beschwerlichen Alltag in der Hauptstadt der Volksrepublik China, der von Armut, Hunger, Enge, sozialer Kontrolle und auch kindlicher Angst geprägt war. Seine persönliche Geschichte verschränkt sich mit der politischen Geschichte der Volksrepublik. Im Zentrum stehen die Schreckensjahre der Kulturrevolution (1966 bis 1976), die den Heranwachsenden prägen werden. Er nimmt selbst als Mitglied der Roten Garden an Kampfsitzungen, Fraktionskämpfen und politischen Gewaltaktionen teil, erlebt Hinrichtungen und Selbstmorde. Diese traumatischen Erlebnisse werden schonungslos und in großartigen Bildern erzählt. Zur Einordnung in den historischen Zusammenhang hätte man sich einen kurzen Anhang zur chinesischen Geschichte des 20. Jahrhunderts gewünscht. - Für eine anspruchsvolle und speziell interessierte Leserschaft.
Johann Book
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Stadttor geht auf
Bei Dao ; aus dem Chinesischen von Wolfgang Kubin
Hanser (2021)
331 Seiten : Illustrationen
fest geb.