Sowas wie dein Papa
Tobias Wilhelm berichtet in seinem Buch vom Leben mit einem Pflegekind als alleinstehender Pflegevater. Das Sachbuch erzählt auf unterhaltsame Weise die fiktive Geschichte von Noah, der als Kleinkind mit zwei Jahren zum Erzähler kommt, der sich bewusst
dafür entschieden hat, als alleinstehender Vater ein Pflegekind aufzunehmen. Der Schwierigkeiten in der ersten Zeit sind nicht wenige, ob mit Noah selbst, der leiblichen Mutter oder dem Jugendamt: überall lauern Probleme, die die ohnehin schwierige Gewöhnung aneinander noch komplizierter gestaltet. Sachlich, unaufgeregt und doch berührend erfahren die Leser/-innen nicht nur die komplizierte Situation eines Kindes mit „Vorgeschichte“, sondern auch die Probleme, die sich durch Jugendamt, Sozialarbeiter/-innen und komplizierte Rechtslagen ergeben. Die Gesetzeslage, die Pflegeeltern nur wenig Mitspracherecht einräumt und problemlos durch das Jugendamt ihre Wünsche abschmettern kann, erfordert viel Idealismus und eine hohe Frustrationstoleranz des Pflegevaters. Zudem ist das Erziehungsgeld, das Pflegeeltern bekommen, knapp bemessen. Trotz all dieser Schwierigkeiten wird dennoch in der Erzählung ersichtlich, wie richtig und bereichernd das Leben mit Pflegekind sein kann. Für alle Leser/-innen, die sich vielleicht auch mit dem Gedanken befassen, ein Pflegekind aufzunehmen, und ganz allgemein eine berührende Geschichte zum Thema Pflegekind. Gerne breit empfohlen.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Sowas wie dein Papa
Tobias Wilhelm
hanserblau (2022)
159 Seiten
kt.