In Erwartung meiner nächtlichen Verhaftung
Tahir Hamut Izgil, einer der wichtigsten uigurischen Denker und Dichter, berichtet aus erster Hand von der gnadenlosen Verfolgung seines Volkes, von dem eine Million interniert wurden und „verschwanden“. Bevor er selbst mit seiner Familie 2017
nach Washington fliehen konnte, erzählt er vom Leben in Urumtschi, der Hauptstadt des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang. Schon als er 1996 im Ausland studieren wollte, wurde er an der Grenze verhaftet, hat sich unter Folter wegen angeblichem Verrat von Staatsgeheimnissen für schuldig bekannt und musste drei Jahre ins Gefängnis bzw. Arbeitslager. In den letzten zehn Jahren diskriminierte die chinesische Regierung das uigurische Volk immer mehr. Immer häufiger musste in der Schule Chinesisch gesprochen werden. Die Region war ein „gigantisches Gefängnis“, überzogen von Sicherheitskräften und biometrischen Überwachungssystemen. Izgil nennt viele Einzelbeispiele: Zur „Haushaltsregistrierung“ konnte man verhaftet werden, Mobiltelefone wurden polizeilich kontrolliert, es gab nun „illegale Apps“, ausländische Radiosender waren verboten, in Buchläden gab es fast keine uigurischen Bücher mehr, an Moscheen mussten chinesische Flaggen gehisst werden, religiöse Gegenstände wie z.B. der Koran wurden konfisziert, bestimmte Namen (Iman, Islam, Muhammad) verboten. Kontakte mit Ausländern dienten als Vorwand für Verhaftungen. „Die Verfolgung der letzten Jahre hat ihre Stimmen zum Verstummen gebracht“. Stellvertretend teilt Tahir Hamut Izgil die Unterdrückungsmaßnahmen der Welt mit.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
In Erwartung meiner nächtlichen Verhaftung
Tahir Hamut Izgil ; aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer
Hanser (2024)
271 Seiten
fest geb.