Söhne großziehen als Feministin
In feministischen Kreisen ernten Mütter mit Söhnen nicht selten mitleidige Blicke. Häufig wird alles Männliche als Feind angesehen. Sheila Behjat, deutsche Feministin, Tochter eines der religiösen Minderheit der Bahá'í angehörenden Iraners
und einer Deutschen, hat ohnehin einen geschärften Blick für Diskriminierungen, die es auch innerhalb der feministischen Szene gibt. Als Mutter gleich zweier künftiger "weißer Männer" – denen in weiten Kreisen heutzutage besondere Skepsis entgegengebracht wird – begann sie, sich zudem kritisch mit ihrer eigenen feministischen Prägung auseinanderzusetzen, und erkennt mehr und mehr Widersprüchlichkeiten und problematische Haltungen im (westlichen) Feminismus, die letztlich allen schaden. Sie plädiert für eine Gesellschaft ohne Geschlechterstereotypen, in der Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen nicht mehr als männlich oder weiblich gelten und in der familiärer bzw. Care-Arbeit und außerfamiliärer Tätigkeit nicht mehr unterschiedliche Wertigkeit zugeschrieben wird. Ein mutiges und für die gesellschaftliche Diskussion sehr notwendiges Buch, das trotz des eher speziell anmutenden Titels zumindest in größeren Büchereien unbedingt angeboten werden sollte.
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Söhne großziehen als Feministin
Shila Behjat
Hanser (2024)
198 Seiten
fest geb.