Was du kriegen kannst
Nach der Geburt ihres Sohnes, wenigen Ehejahren, manchen Männerbeziehungen, wenigen finanziellen Ungereimtheiten wird die 24-jährige Verkäuferin Uta 1973 von Vertretern der Staatssicherheit in der DDR angesprochen. Es folgt eine mehrjährige Tätigkeit
als Sexarbeiterin unter dem Codenamen IM Anna: Sie wird auf Geschäftsleute aus Westdeutschland und dem Ausland oder auch DDR-Vertreter angesetzt, um durch Sex von diesen Geheimnisse zu erfahren, die der Staatssicherheit in ihrem Überwachungswahn zur Sicherung des "demokratischen Sozialismus" helfen sollen. Mit zahlreichen offensichtlichen Zitaten aus Utas STASI-Akten, ihren eigenen Selbstreflexionen und Gesprächen zwischen Hauptperson und Autor wird die Geschichte dramaturgisch aufgebaut. Bückmann dokumentiert das Innenleben des Systems, die (finanzielle) Not mancher Frauen, die politischen Absichten hinter der Freigabe von Abtreibungen 1972 und die nur durch Alkoholismus und entsprechende Abhängigkeiten zu ertragende Tätigkeit. Die Entwicklung des Sohnes, die familiären Bande zu den Eltern spielen nur ansatzweise eine Rolle. – Dem bisher als Autor von Dokumentarfilmen bekannten Böckmann gelingt ein bedrückend trauriger Einblick in die von Nachrichtendiensten eingesetzte "Sexspionage" am Beispiel der DDR. Literarische Züge erhält der als Dokumentarroman zu bezeichnende Text in den Begegnungen zwischen Hauptperson und Autor. – Für zeitgeschichtlich Interessierte.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Was du kriegen kannst
Clemens Böckmann
Hanser (2024)
412 Seiten
fest geb.