Die neue Protestkultur
Protest gab es in der Geschichte der Menschheit schon immer. Ein ganz frühes Beispiel ist ein Streik vor 3.000 Jahren in Ägypten – auf Papyrus überliefert – wo Arbeiter, die nicht korrekt entlohnt wurden, die Arbeit niederlegen und zum Wesir
marschieren. Technische und soziale Neuerungen (Buchdruck, Fabrikarbeit, Internet) beeinflussen immer auch Protestformen, und zwar weltweit. Jüngste Beispiele sind Frankreich 2017, Hongkong 2018 oder Iran 2020. Künstliche Intelligenz hilft zudem enorm, digitale Prozesse zu automatisieren (Textproduktion). Andererseits können autokratische Staaten den Protest viel leichter und besser überwachen. Übersichtlich stellt der Protestforscher Tareq Sydiq die verschiedenen Formen vor: Demonstrationen, offene Briefe, Vereine, ziviler Ungehorsam, Streik, soziale Bewegungen (z.B. antirassistischer Protest in Deutschland). Thematisiert werden die Herausforderungen für die Protestler, die Grenzen ihrer Wirksamkeit und das Scheitern. Auch der Einfluss der Medien ist enorm, sie erregen Aufmerksamkeit (z.B. Angriff auf die Mona Lisa mit Dosensuppe). Der Autor würdigt ausführlich Art. 8 des Grundgesetzes, wonach alle Deutschen das Recht haben, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich zu versammeln. Sydiq sieht Protest als Ventil für Unzufriedenheit oder als Frühwarnsystem und wünscht sich weiteren kreativen Protest.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Die neue Protestkultur
Tareq Sydiq
hanserblau (2024)
187 Seiten
fest geb.