Als wir Schwäne waren
In einzelnen Episoden erzählt Behzad Karim Khani die Geschichte einer iranischen Familie, die in den 90er Jahren nach Deutschland geflüchtet ist. Es ist in gewisser Weise auch seine eigene Geschichte. Nachbarkinder klingeln spätabends an der Tür
und wollen persisches Essen, was die Gasfreundschaft nicht verwehrt. Verlogene Werbung im Fernsehen. Allmählicher Aufstieg, die Familie kann sich ein Auto leisten. Bedauern, dass es keinen frischen Mais in Deutschland gibt. Übungen der Kinder, ein Ninja zu werden. Übertritt ans Gymnasium, als einer der wenigen Ausländer. Beginn einer "Karriere" als Drogendealer. Dealerfreunde wandern in den Knast, einer wird erschossen. Gewalt bestimmt das Leben. Schließlich mit 20 der Auszug aus der Familienwohnung und Beginn eines eigenen Lebens. Behzad Karim Khani lässt die Geschichte aus der Ich-Perspektive seines Protagonisten erzählen. Der schließlich Bücher schreibt und auf sein Leben als Kind und Jugendlicher zurückblickt. In einer kurzen Rückschau auf die Zeit in Persien fahren sie auf einem See und beobachten Schwäne, ein Moment der Ruhe, des Unbeschwertseins, des Glücks. Doch Deutschland bietet nur tristes Leben in einem tristen Viertel, Kälte, Düsternis und Abweisung. Ein Roman, der nur wenig Hoffnung bietet, dennoch ein lesenswertes Buch.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Als wir Schwäne waren
Behzad Karim Khani
Hanser Berlin (2024)
187 Seiten
fest geb.