Die Gräfin
August 1944, ein Aufklärungsflieger der Royal Air Force muss auf dem Rückflug nach England auf der nordfriesischen Hallig Südfall, in der Nähe von Nordstrand, notlanden. Etwas abgelegen vom Festland leben hier nur Diana Gräfin von Reventlow, ihr
Kutscher und Hausmeister Maschmann und das junge Hausmädchen Meta. Als sie das Flugzeug im Watt entdecken, bergen sie den verletzten Piloten. Auch wenn darauf schwere Strafen stehen, denkt die Gräfin nicht daran, John Philip Gunter den Behörden auszuliefern. Bald wissen auch der Postbote, der vom Festland immer wieder kommende Arzt und einer von Maschmanns Vertrauten von dem Engländer. Alle sehen das Ende des Krieges kommen und sind keine Nazis. Sie verstecken das fluguntaugliche Wrack in einer Scheune und hoffen, dass niemand auf ihr Geheimnis aufmerksam wird. In der Zwischenzeit erholt sich der Pilot. Für die Gräfin ist er eine willkommene Abwechslung im Alltagstrott. Mehr noch, er zieht sie magisch an und weckt in ihr Erinnerungen an die Jugend. Doch John hat eher Gefühle für Meta und sie beginnen ein Verhältnis, das in diesem kleinen Kosmos nicht verborgen bleiben kann. Trotz einer gewissen Eifersucht lässt die Gräfin die jungen Leute gewähren. Wenige Tage später bringt einer von Maschmanns Freunden Jan Bizak auf die Hallig. Er ist auf der Flucht vor den Nazis und soll baldmöglichst von einem Fischerboot nach Dänemark in Sicherheit gebracht werden. Eine Gelegenheit, die auch der Engländer nutzen möchte. – Ein Roman mit offenem Ende, worin eine Frau, zusammen mit ihren Angestellten und Freunden, die Zivilcourage aufbringt, gegen die Vorgaben eines verbrecherischen Systems zu handeln. Empfehlenswert!
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Gräfin
Irma Nelles
hanserblau (2024)
169 Seiten
fest geb.