Cascadia
Die Schwestern Samantha und Elena Arthur träumen von einem besseren Leben, denn sie fühlen sich gefangen in ihren „Dienstleistungsverhältnissen, den wechselnden Schichten, den Quälereien“ bei der eintönigen und schlecht bezahlten Arbeit im
Tourismusgeschäft (Golfclub-Restaurant und Fähren-Bistro) der Inselgruppe San Juan Islands im US-Bundesstaat Washington. Die jungen Frauen möchten sich verändern, vorankommen und doch pflegen sie ihre Mutter liebevoll im gemeinsamen alten Haus, dem einzigen Erbe, welches einen Aufbruch möglich machen könnte. „Eines Tages würden sie San Juan verlassen. Ihre Welt würde sich weiten, reicher und stabiler werden.“ Die überraschende Begegnung mit einem riesigen Grizzly bringt das vertraute Schwesternverhältnis und die Zukunftswünsche gehörig ins Wanken, denn die ältere Schwester Elena ist fasziniert vom Bären und lockt ihn mit Futter an, bis es zur tödlichen Attacke des Wildtieres kommt. Genau davor hatte sich die jüngere Schwester Sam immer gefürchtet und hat daran doch auch ihren Anteil. Einfühlsam wird der Alltagskampf der Familie aus prekären Verhältnissen und der Wunsch nach Aufstieg erzählt, aber auch das Auseinanderdriften des engen Schwesternverhältnisses und die Faszination durch schöne Landschaften und ihre wilden Tiere. Es geht ums Feststecken in ungeliebten Verhältnissen und die Veränderung von lebenslangen Geschwisterkonstellationen. Anklänge aus Grimms Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ durchziehen die Geschichte. Lesenswert.
Cascadia
Julia Philipps ; aus dem Englischen von Pociao und [einem weiteren]
hanserblau (2024)
270 Seiten
fest geb.