Der Film
Die isländische Regisseurin Villa hat eine bewegte Vergangenheit. Sie war schwer drogen- und alkoholabhängig, hat gestohlen und ihren Sohn Haki ohne Vorwarnung bei Verwandten abgeladen, als ihr die Versorgung des Kindes zu viel wurde. Doch mit der
Hilfe von Freunden hat sie sich aus dem Sumpf gekämpft und mit der Kamerafrau Ninja einen Dokumentarfilm über ihren Jugendfreund Dimitri gedreht, der auf einem Walfangschiff arbeitete. Bei der Premiere des Films auf einem Kunstfestival wird Villa scharf angegangen – nicht nur wegen des Walfangthemas, sondern auch, weil Dimitris kriminelle Machenschaften nicht beleuchtet wurden. Doch Villa wollte einen unverstellten, neutralen Blick auf den Walfänger in ihrem Film darstellen und keine Kritik zeigen. – Der Roman erzählt aus mehreren Blickwinkeln die Leben der Beteiligten zur Zeit der Entstehung des Films und in Rückblenden auch Villas bewegtes Leben. Dabei wird deutlich, dass niemand im Leben alles richtig macht oder machen kann. Die öffentliche Kritik und Empörung, der Villa ausgesetzt wird, ist scheinheilig und wird viel zu schnell und gnadenlos geäußert, ohne die Hintergründe zu kennen oder kennenlernen zu wollen. Ein mutiger und schonungsloser Roman, der gerne empfohlen wird.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Film
Kristin Eiriksdóttir ; aus dem Isländischen von Tina Flecken
Hanser Berlin (2026)
364 Seiten
fest geb.